Der angebliche Serienmörder Bruno Lüdke       

Ein Exempel für Kriminalität und Schwachsinn als genetisches Erbgut
 
 
 

Bis in die (19)90er Jahre wurde Bruno Lüdke zu den bekanntesten Serienmördern gezählt. Mit seinen 53 Morden hatte er in der "Branche" einen neuen Rekord aufgestellt, obwohl  diese Zahl nur für die Morde galt, die ihm - mit welchen fragwürdigen Mitteln auch immer- nachgewiesen werden konnten.
Für die Tatsache, daß die Nationalsozialisten, die für Lüdkes Überführung und Bestrafung zuständig waren diesen Fall geheim hielten wurden ideologische Gründe verantwortlich gemacht: ein solcher Killer könne aus  der neuen nationalsozialistischen Volkskultur einfach nicht hervorgehen.
Doch die Gründe für die Vertuschungen waren ganz andere: wie  J.A. Blaauws in einem bisher nur auf niederländisch veröffentlichten Buch feststellt, ist Bruno Lüdke von den Nationalsozialisten zu dem Zwecke, sich der Ermittlungsarbeit zahlloser unaufgeklärter Morde zu entledigen, in dem diese Lüdke zugeschrieben werden konnten, planmäßig als Serienmörder konstruiert worden.
Aber noch eine zweite, nicht minder wichtige Komponente kam hinzu: Bruno Lüdke galt als geistig minderbemittelt, er stellte den Prottyp des "Doofen" dar. Die Kopplung einer intellektualen Unterentwicklung mit Kriminalität, sexueller Gewalt und Perversion passte genau in die nazistische Ideolgie vom entarteten Leben. Aufgrund der Geheimhaltung des Falls Lüdke fragt sich jedoch, wozu ein solches Entartungs-Exempel konstruiert werden sollte: propagandistische Zwecke  können es  nicht gewesen sein.
Höchstwahrscheinlich  wurde jedoch eine Doppelstrategie gefahren: der ganze interne Kreis des NS-Regimes glaubte an den Entartungsfall Lüdke und hielt ihn aus den og. ideologischen Gründen geheim, die Erfinder des Schwindels wiederum hatten den Untersuchungs-Labors und arischen Kulturforschern ein perfektes biologisches Beispiel für minderwertiges Leben geliefert und darüberhinaus einen weiteren Fall erbkranken Lebens via gerichtliches Todesurteil liquidiert. Die Propagandazwecke, die hier verfolgt wurden, richteteten sich offenbar vor allem auf die ethische"Schulung" der NS-Wissenschaftler und Sicherheitsdienste.

Bereits 1939 war Lüdke in die Mühlen der NS-Rassenlehre geraten und galt seitdem als Schwachsinniger, der für nahezu jede Angelegenheit (wie z.B. das Führen eines Pferdefuhrwerks) eine ärztliche Zulassung benötigte. Außerdem wurde erwogen, Lüdke wegen "angeborenem Schwachsinn" zu kastrieren, was dann 1940 auch geschah: Bruno Lüdke wurde entmannt. Umso erstaunlicher ist es, daß er nach der offiziellen Lesart nicht nur  Serienmörder, sondern auch  Lustmörder gewesen sein soll.
Schließlich entledigte man sich des Schwachsinnigen Lüdke mit der Verhängung der Todestrafe auf eine unbestrittenere als der beabsichtigten euthanasischen Weise, die auch in der Bevölkerung stark verurteilt wurde.
Durch die Verhaftung Lüdkes konnten außerdem 53 unaufgeklärte Morde als abgeschlossen zu den Akten gelegt werden.Nachdem Lüdke inhaftiert  und durch Mißhandlungen nicht nur zu seinem ersten Geständnis gezwungen, sondern dadurch auch eingeschüchtert worden ist, folgten weitere Geständnisse, einerseits aufgrund der Angst vor Mißhandlung, andererseits aber auch aufgrund der Unbekümmertheit, wegen
der asttestierten  Unzurechnungsfähigkeit und Schwachsinnigkeit ohnehin straffrei auszugehen.

Lüdke wurden Morde nicht nur in seiner Heimatstadt Berlin, sondern auch weit außerhalb Berlins zur Last gelegt, obwohl es ihm zu dieser Zeit finanziell völlig unmöglich war, Berlin zu verlassen, geschweige denn, daß seine geistigen Fähigkeiten ausreichten, Reisen in andere Städte zu unternehmen und sich dabei ausreichend orientieren zu können.
Die Überführung geschah dabei auf immer dieselbe Weise: Lüdke wurde gefragt, ob er sich in seinem Leben schonmal an einem bestimmten Ort einer bestimmten Stadt (meist natürlich in und um Berlin) aufgehalten hat. Bejahte er diese Frage und deckte sich der Ort mit demjenigen, an dem einer der bis dato ca einhundertzehn unaufgeklärten Morde geschehen waren, wurde Lüdke zur Tatortbegehung dort hingefahren. Er gab dann zu, diesen Ort zu kennen und war somit überführt. Wenn er sich nur diffus an den Ort erinnern konnte, wurde ihm schließlich- wie auch in den polizeilichen Vernehmungen durch den Ermittler Franz- ordentlich nachgeholfen.

Lüdke wurde schließlich in den NS-Labors als Prototyp des genetisch Entarteten untersucht und außerdem als ein solcher Arttyp geradezu stilisiert. Man stellte eine Büste von ihm her, drehte einen Film über ihn, untersuchte Gehirn und Rückenmark, die Charitee bekam einen Handabdruck Lüdkes, denn auch in den Handlinien und der Physiognomie der Hand ließen sich angeblich Schwachsinnigkeit und kriminelle Entartung  lesen.
Nachdem der Fall  abgeschlossen war, ließ man Bruno Lüdke stillschweigend verschwinden. Eine offizielle Hinrichtung hätte zuviel Aufsehen erregt. Die NS-Forscher kehrten ohne Lüdke aus dem Untersuchungszentrum Wien nach Berlin zurück.

Am 26.4.44 stellte das Standesamt Wien-Alsengrund eine Sterbeurkunde für Lüdke aus.Die angegebene Todesursache: "Herzfleischentartung, Erweiterung der rechten Herzkammer, Herzlähmung".

Bruno Lüdke galt unter Kriminalisten als der Prototyp des sg. Konfessors.Ein Konfessor gesteht Morde, die er nicht begangen hat, entweder um sich wichtig zu machen oder weil er daran glaubt oder aber aus anderen, nur dem Konfesor bekannten Gründen. Insgesamt gestand Lüdke 84 Morde, zuletzt zweifelte sogar die Polizei an seinen Geständnissen und nahm davon einige zurück, möglicherweise um sich mit einer gemessen an der Zahl unaufgeklärter Mordfälle realistischen Aufklärungszahl die Glaubwürdigkeit zu erhalten. Lüdke selbst war es längst egal, ob ihm noch weitere Morde zur Last gelegt werden konnten: es brach eine Art Geständnisinflation 
in ihm aus und er gestand nun selbst Morde, bei denen nicht einmal klar war,ob es sie gab.
Aufgrund der ohnehin schon manipulierten und erzwungenen Geständnisse mußte die Glaubwürdigkeit gewahrt werden: die Zahl der Morde durfte nicht in eine völlig unrealistische Dimension steigen, aber was noch wichtiger war, es durfte gar nicht erst zum Prozess kommen. In einer offiziellen Gerichtsverhandlung wären die Lückenhaftigkeit  und der nachmanipulierte Charakter der Geständnisse des Angeklagten ans Licht gekommen.
 

Das Verschwinden Lüdkes 

Höchstwahrscheinlich wurde Lüdke in Wien getötet, ob mit einer Zyankali-Injektion oder nicht bleibt dabei unklar.Wichtig war nach dem Tod Lüdkes, den Angehörigen paulsible Gründe für sein völliges Verschwinden zu liefern. Man lud seine Angehörigen vor und erklärte ihnen, Lüdke sei an einer ansteckenden Krankheit gestorben. Aus hygienischen Gründen sei er sofort verbrannt worden. Die Herausgabe der Urne käme nicht in Frage, da Lüdke aufgrund seines unehrenhaften Lebenswandels die letzten bürgerlichen Ehren verweigert werden müssten. Da die Angehörigen jedoch eher die klammheimliche Besetigung Lüdkes vermuteten, wurde ihnen gesagt, die Vermeidung eines Prozesses sei auch in ihrem Sinne, da sie so nicht noch mehr ins Gerede kämen.

Das Vertuschen Lüdkes

Sämtliche Akten und Filmbänder wurden nach der Beseitigung Lüdkes vernichtet. Nachdem bereits während der Ermittlungen der Presse mit Ausnahme dreier Mordfälle (in denen bis zu Lüdkes Verhaftung drei "Volksgenossen" schwere Verdächtigungen hatten über sich ergehen lassen müssen, die durch Lüdkes Verhaftuung nun entlastet wurden) der Presse verboten wurde, über Lüdkes Taten zu berichten, wurden nun auch sämtliche internen Akten vernichtet, um die Spur Lüdke auszulöschen.
 

Die Drahtzieher

Zur Klarstellung: die  Kriminalpolizei Deutschlands hatte durchaus ein Interesse an der wirklichen Aufklärung der Mordfälle.
Lediglich die NS-Zentrale Berlin und der Berliner Mordkomissar Franz ( der seine Stellung nicht verlieren wollte) hatten  die "Operation Lüdke" von vornherein als Farce geplant. Die Gründe dafür wurden bereits am Anfang dieses Textes genannt.                                                                                   W. Hasch
 

 

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