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            Das Leben eines modernen Magiers
 

       "Unser Mittel ist die Wissenschaft, unser Ziel ist die Religion" (Aleister Crowley)
 


Schon ein paar Monate alt ist Christian Bouchets Buch "Aleister Crowley.Das Leben eines modernen Magiers".Dennoch gehört es zu den unbekannteren Publikationen über Meister Therion- so das okkulte Pseudonym Crowleys- und ist, obwohl kein typisches Eso-Buch, eher in esoterischen Läden zu finden als im Allround-Buchhandel.

Bereits nach wenigen Seiten frappiert, daß der Autor Christian Bouchet offenbar einige Sympathien für die  okkulte Legende Aleister Crowley hegt, wenn er dem Leser zu beweisen versucht,daß er Crowley  für das prädestinierte  Gegenteil eines mystischen Scharlatans hält, als der er bei nicht wenigen gilt.Auch die Tonaufnahmen, die von Crowleys Beschwörungen überliefert wurden, könnten den Eindruck vermitteln, daß hier ein ziemlich isolierter Spinner seinen verschrobenen Frenetismen frönt.
Aber Crowley war, wie man längst weiß,  alles andere als ein Spinner.
Sein Versuch, religiöse und magische Ergebnisse mit rationalen Mitteln zu erzielen und auch nur solche Ergebnisse als magisch einzuschätzen, die sich real verifizieren lassen, führt von vornherein jeden Vorwurf der Scharlatanerie ad absurdum.
Denn "Meister Therions" eigener Einsatz war von einer Eigenschaft, die unter den zynischen Blickwinkeln der heutigen Zeit zu gern als hiwiesk verspottet werden würde :dieser Einsatz war ehrlich und ohne Rückzugsmöglichkeit."Sich zu weigern ist nicht mehr möglich, nicht einmal vorstellbar und das ganze Selbst des Magiers wird unwiderstehlich nach vorne geschleudert- nicht einmal das kleinste Atom sagt nein.In einem blendenden Licht, im Dröhnen von zehntausend Donnerschlägen wird die Vereinigung von Gott und Mensch vollzogen."
Welche Energie könnte ehrlicher und von weniger Zurückhaltung gekennzeichnet  sein als die, die Crowley hier beschreibt und mit der er die Geister scheidet: in diejenigen, die eine Reflexion nur dann zu leisten imstande sind, wenn sie sich von vornherein  und auch bei den ergreifendsten Situationen neben ein Ereignis stellen, und in solche, die eine Einwirkung zulassen, die gerademal soviel Distanz zuläßt, wie sie innerhalb einer Situation möglich ist: ein völliges Inside, daß nicht zwangsläufig zu einer Erkenntnis führen muß, aber deren Energie auch als unreflektierte -so indifferent gegenüber allen emotionalen Situationen 
eine solche Behauptung auch ist- immer noch mehr erkannt zu haben scheint als jene fruchtlosen, nicht einmal aus einer offenen Betrachtungsperspektive hervorgehenden Kommentare aus sicherer und generell eingenommener Distanz.
Im Gegensatz zu dem SatanChurch-Gründer Anton S.LaVey, der behauptet, der Terminus Magick, (geschrieben mit "ck") verweise von vornherein darauf, daß man es nicht mit Magie zu tun hat, betont Crowley den sexualmagischen Charakter von Magick.Denn Magie und Sex gehören für ihn zusammen.Er fordert alle auf, die einen okkulten Umgang mit der Sexualität anstreben, diese nicht aus Gewohnheit oder Langeweile zu betreiben."Wir dürfen ihn(den Sexualakt,d.V.) nicht töricht oder leichtfertig oder unter einem Vorwand ausüben. Was diese Kräfte profan macht, ist ihre leichtmässige oder gewohnheitsmäßige- besser gesagt, mißbräuchliche Anwendung....Der Magier muß jeden Anflug tierischer Lust unterdrücken".
Crowley nannte die sexuellen Körpersäfte Elexiere. Sein gesamtes Sexualleben ordnete er dem Gewinn magischer Erkenntnisse unter und er untersuchte die Eigenschaften des von ihm so bezeichneten Elexiers nach jedem geschlechtlichen Akt.
Seine Dokumente darüber finden sich im Schlußteil von Bouchets Buch, daß  außerdem drei weitere Kapitel enthält:Crowleys Biografie, seine magischen Auffassungen und sein Erbe, daß neben dem O.T.O.(derzeit 800 Mitglieder weltweit) und  einigen okkulten Sekten vor allem auch in der Popkultur Spuren hinterlassen hat: dabei unterscheidet Bouchet reine Modeerscheinungen(z.B. Bowie) von Schockmotivation (z.B. Killing Joke) und ernsthafter Beschäftigung (z.B. Current 93).

Kein Zweifel, Aleister Crowley war ein zutiefst religiöser Magier.
Sämtliche Wissenschaften nutzte er ( der in nahezu allen Religionslehren und Kulten bewandert war) für seine ernsthaften  okkulten Ambitionen  und stellte sich somit zwischen eine Forschung, die bloß rationalen Zwecken nachgeht und einer Magie, die lediglich  in nebulöser Mystik halluziniert.
Bouchets Buch, das weder das eines religiösen Anhängers (egal aus welcher okkulten Ecke er nun kommt) noch das eines akademisch kritischen Analysanten ist, dokumentiert dieses Engagement Crowleys nachhaltig und versorgt den Leser zusätzlich mit Informationen, die ihm womöglich noch nicht bekannt sind. So war mir z.B. neu, daß sich Crowley  nicht nur mit Henry Miller häufig traf, sondern auch mit dem  KPD-Führer und später von den Nationalsozialisten ermorderten Ernst Thälmann eng befreundet war.              Wolfram Hasch

Christian Bouchet:"Aleister Crowley.Das Leben eines modernen Magiers." 
 

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